Mit viel Einfühlung und Erfahrung therapieren wir Menschen in sozialmedizinischen Problemsituationen

Für den Erfolg einer Therapie ist auch die Motivationslage des Patienten entscheident, um ihm eine Rückkehr ins Erwerbsleben zu ermöglichen.

Sozialmedizinische Problempatienten sind durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  1. der Patient ist zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits seit längerer Zeit durchgehend arbeitsunfähig.
  2. der Patient kann sich eine Rückkehr ins Erwerbsleben kaum mehr vorstellen und beabsichtigt einen Rentenantrag zu stellen.
  3. der Patient kommt im Rahmen eines laufenden Rentenantragsverfahrens in die Heilbehandlungsmaßnahme („Reha vor Rente“) oder erhält bereits eine Rente wegen Erwerbsminderung.

Erschwernisse in der Psychotherapie sozialmedizinischer Problempatienten

Überforderung und unlösbare Konflikte oder Kränkungserlebnisse am Arbeitsplatz sind die wesentlichen Beweggründe für lange Arbeitsunfähigkeitszeiten oder einen Rentenwunsch. Wegen Erwerbsminderung aus dem Arbeitsleben zu scheiden kann als Ausweg einer schweren Belastungssituation empfunden werden oder gar als Entschädigung für lebenslang erlittene Zurücksetzungen. Ziel einer psychosomatischen Behandlung kann daher nicht sein, die Leistungsfähigkeit des Patienten zu steigern und die Symptombelastung zu verringern, weil es seiner Motivationslage diametral entgegenläuft.

Das interdisziplinäre Behandlungsteam steht unter diesen Voraussetzungen vor der schwierigen Aufgabe, einerseits eine verstehende, empathische Haltung als Basis therapeutischen Handelns zu behalten, aber gleichzeitig eine Änderung arbeitsbezogener Einstellungen bei den Patienten anzustoßen. Das belastet die Allianz zwischen Therapeut und Patient spürbar. Hinzu kommt die Doppelrolle als Behandler und sozialmedizinischer Gutachter, der die Willensanstrengung des Patienten einfordern muss und gleichzeitig zu unterscheiden hat, ob störungsbedingte Einschränkungen oder Simulation vorliegen.

Psychotherapeutisches Behandlungskonzept

Bereits bei der Eingangsdiagnostik werden sozialmedizinische Problempatienten identifiziert. Es folgt eine differentielle Indikationsstellung unter der Voraussetzung der oben geschilderten Merkmale für ein eher verhaltenstherapeutisch oder psychodynamisch fundiertes Vorgehen. Dabei werden somatische Faktoren berücksichtigt. Des Weiteren wird versucht, Ihnen auf Grund der beschriebenen Behandlungsschwierigkeiten einen Einzeltherapeuten mit längerer Berufserfahrung und erweiterten sozialmedizinischen Kenntnissen zuzuteilen.

In der Behandlung wird zunächst geklärt, wie die Entwicklung zum sozialmedizinischen Problempatienten verlaufen ist. Dabei steht die berufliche Biografie des Patienten im Vordergrund. Im weiteren Verlauf geht es vorrangig im Rahmen interpersoneller Schwierigkeiten darum, dem Patienten aktive Bewältigungsansätze aufzuzeigen, die ihm Wege aus der als ausweglos erlebten Problemsituation eröffnen. (z.B. bei „Mobbing“).Dabei soll auch eine Kosten-Nutzen-Analyse helfen, die aufzeigt, dass neben Entlassung und Wiedergutmachung längerfristige negative Konsequenzen wie Verlust von sozialen Kontakten und Quellen zur Anerkennung und Tagesstrukturierung folgen. Diese Schritte gehen Patient und Therapeut in einer Einzeltherapie gemeinsam.

Parallel dazu bieten wir die themenzentrierte Gruppe „Arbeit und Beruf“. Hier werden in Diskussionen, Referaten, Gruppenarbeit und Rollenspielen zu vorgegebenen Themen gearbeitet. Darin sind auch edukative Einheiten zu betrieblichen Fragestellungen enthalten. Insgesamt werden folgende Inhalte behandelt:

  • Entwicklung des sozialmedizinischen Problems
  • Rechtliche Grundlagen von Reha und Berentung
  • Analyse der Vor- und Nachteile des Verbleibs oder Verlassens der Arbeitswelt
  • Konfliktmanagement und Teamfähigkeit

Im Rahmen von Verhaltensanalysen werden die Leistungsfähigkeit beeinträchtigenden Muster und lerngeschichtlich determinierte intrapsychische Konflikte, welche zu Schwierigkeiten im Berufsleben führen, heraus gearbeitet. Eine in der Klinik durchgeführte Evaluation zeigt Vorteile dieses Gruppenangebotes gegenüber der Standardbehandlung.

Im Rahmen der Gruppenarbeit bieten wir je nach individueller Situation auch ein soziales Kompetenztraining oder Übungen zur Stressbewältigung. Darüber hinaus sind die Patienten in unser multimodales Angebot der Psychosomatischen Klinik eingebunden

In der dritten Behandlungswoche sind die Behandlungsziele definiert, der Behandlungsplan aufgestellt und das Arbeitsbündnis mit dem Psychotherapeuten beurteilbar. Mit dem Patienten kann daher zu diesem Zeitpunkt hinsichtlich des sozialmedizinischen Ergebnisses der Heilbehandlungsmaßnahme gesprochen werden, um frühzeitig eine Auseinandersetzung über möglicherweise unterschiedliche Einschätzungen des Behandlungsteams und des Patienten zu beginnen. Dies bietet dem Bezugstherapeuten die Chance, bis Behandlungsende den Patienten bei der Entwicklung einer realistischen Sichtweise seiner beruflichen Zukunft und Bewältigung zukünftiger Anforderungen zu unterstützen. 

Medizinische Rehabilitationsnachsorge und Vernetzung mit ambulanter Psychotherapie

Geeignete Patienten werden von uns in die intensivierte Rehabilitationsnachsorge (IRENA) bzw. in die Gruppennachsorge nach dem hannoverschen Modell vermittelt. Nicht selten stellt die Weitervermittlung in ambulante Psychotherapie auf Kosten der Krankenkassen ein Problem dar. Hintergründe hierfür liegen neben den heute üblichen langen Wartezeiten auch in Ambivalenzen der Patienten, Behandlungsempfehlungen der Psychotherapeuten aus der Klinik folge zu leisten. Auf die niedergelassenen Psychotherapeuten wirken diese Patienten oft weniger motiviert als auf anderem Wege zugewiesene Kranke, so dass im Zusammenspiel mit den Versorgungsengpässen in der ambulanten Psychotherapie eine Selektion mit nachteiligen Folgen gerade für die sozialmedizinischen Problempatienten zu verzeichnen ist. Vor diesem Hintergrund profitieren wir von den Erfahrungen aus zwei gegründeten Qualitätszirkeln. Im fachlichen Austausch zwischen Klinik und niedergerlassenen Psychotherapeuten werden dort auch Möglichkeiten zur Entschärfung der Schnittstellenproblematik erörtert und die Rolle der beruflichen Probleme und der sozialmedizinischen Situation in der stationären wie in der ambulanten Psychotherapie diskutiert.

Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation

Maßnahmen der beruflichen Rehabilitation werden bei Bedarf durch die in der Klinik seitens des Rentenversicherers durchgeführte Rehaberatung ebenso gebahnt wie stufenweise Wiedereingliederungen in das Berufsleben durch den Sozialdienst der Klinik.

Insgesamt gelingt es mit den geschilderten Aktivitäten der Rehabilitationsnachsorge, der Vernetzung mit der ambulanten Kassenpsychotherapie sowie mit der beruflichen Rehabilitation die nötige Weiterversorgung der Patienten zu gewährleisten. Dies ist – neben der fachlichen Qualität der jeweiligen Angebote – nach unserer Einschätzung ganz entscheidend für den Erfolg der psychosomatischen Rehabilitation, gerade auch bei sozialmedizinischen Problempatienten.