Verschiedene Behandlungsmodelle für Menschen mit depressiven Störungen

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Krankheiten, oft mit weiteren Begleiterkrankungen, die die seelische Gesundheit beeinträchtigen.

Diesem Umstand haben die Fachgesellschaften sowie die Deutsche Rentenversicherung durch die Entwicklung einer Nationalen Versorgungsleitline bzw. eines Reha-Therapiestandards Rechnung getragen. Das Konzept zur Depressionsbehandlung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie orientiert sich in wesentlichen Teilen an diesen Standards im Sinne von Leitlinien, da diese sowohl den gegenwärtigen wissenschaftlichen Konsens, als auch alle relevanten rehabilitationsspezifischen Ergänzungen in Bezug auf die Behandlung der Betroffenen beinhalten.

In der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wurde in den letzten Jahren bei ungefähr zwei Drittel aller behandelten Patientinnen und Patienten eine Erkrankung aus dem Bereich depressiver Störungen diagnostiziert. Es bestehen daher umfangreiche Erfahrungen in der Betreuung von Menschen in solchen schwierigen Lebensphasen.

Das vorliegende Behandlungskonzept bezieht sich im Wesentlichen auf folgenden Formen depressiver Erkrankungen (ICD-10):

  • Depressive Episode (F32)
  • Rezidivierende depressive Störungen (F33)
  • Dysthymia (F34.1)
  • Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (F43.2)

Die oben genannten Diagnosen gehen häufig mit weiteren Beeinträchtigungen der seelischen Gesundheit einher. In Übereinstimmung mit den Reha-Therapiestandards müssen komorbide Störungen, aus denen zusätzliche Einschränkungen der Lebensqualität, der Aktivität oder Teilhabe resultieren, im Rahmen der medizinischen Rehabilitation ebenfalls behandelt werden. Die Patientinnen und Patienten nehmen daher in unserer Klinik bei Bedarf an Behandlungsangeboten teil, die besonders auf diese komorbiden Störungsanteile abzielen (z.B. Indikativ-psychoedukative Gruppe zum Thema Angststörungen).

Als allgemeine Behandlungsziele gelten für Menschen mit depressiven Störungen:

  • die Symptome der depressiven Störung zu vermindern und letztlich möglichst eine vollständige Remission zu erreichen
  • die psychosoziale und berufliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen
  • die Wahrscheinlichkeit für einen kurzfristigen Rückfall oder eine spätere Wiedererkrankung zu reduzieren

Mehrdimensionale Behandlung der Depression

In der stationären Rehabilitation kommen in den Segeberger Kliniken die sogenannten evidenzbasierten Therapiemodule (ETM) unddie psychopharmakologische Therapiezur Anwendung.

Die evidenzbasierten Therapiemodule, die im Rahmen des speziell auf depressive Erkrankungen abgestimmte Vorgehen Berücksichtigung finden, sind neben der verhaltenstherapeutisch orientierten und psychodynamisch begründeten Psychotherapie im Einzel- und Gruppensetting (z.B. Depressionsgruppe, indikative Gruppe bei Komorbidität) der Aktivitätsaufbau, das Entspannungstraining (z.B. die Progressive Relaxation und das Autogene Training), die Bewegungstherapie und Physiotherapie, zudem die Gesundheitsbildung und Psychoedukation (Aufklärung über die Entstehungsbedingungen und Behandlungsmöglichkeiten der Depression, Vorträge und Seminare zu verschiedenen gesundheitsbezogenen Themen). Weitere Behandlungsangebote umfassen die künstlerischen Therapien und Ergotherapie, die Sozialberatung und Förderung der beruflichen Integration (Klärung von Wohnungsfragen, wirtschaftliche Sicherung, Rentenfragen, Blick auf die berufliche Perspektive) sowie die Nachsorge zur Unterstützung des Überganges und der Weiterbetreuung nach Beendigung des stationären Aufenthaltes.

Wissenschaftliche Untersuchungen erlauben heute den zusammenfassenden Schluss, dass in der Akuttherapie der Depression die Kombination von Psychotherapie und Antidepressiva einen sich ergänzenden Behandlungseffekt hat, dies umso mehr, je schwerer die depressive Symptomatik ausgeprägt ist. Pharmakotherapie ist generell am erfolgversprechendsten, wenn sie auf einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Patient und Behandler aufbaut bzw. wenn diese als wesentliches Behandlungsmoment angestrebt wird. Daher wir der Patient in unserer Klinik immer in die Entscheidungsfindung hinsichtlich einer medikamentösen Mitbehandlung einbezogen.