Spezielles Angebot für türkischsprachige Migranten

Seit 1995 bieten wir in der Klinik türkischsprachige Psychotherapie im Rahmen der stationären Behandlung an.

Heute werden uns türkischsprachige Patienten für stationäre psychosomatische Rehabilitationsverfahren von den Trägern der gesetzlichen Rentenversicherung sowie von den Krankenkassen zugewiesen. Auch auf unserer Akutstation werden Krankenhausbehandlungen (Akutbehandlungen) in türkischer Sprache angeboten.

Behandlungskapazität und Unterbringung

Aktuell können etwa 250 türkischsprachige Patienten pro Jahr in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Segeberger Kliniken behandelt werden. Sie sind in die gesamte therapeutsche Patientengemeinschaft integriert und in modernen Einzelzimmern, auf der Akutstation in Doppelzimmern mit Bad  und auf Wunsch mit Fernseher und Telefon untergebracht.

Indikation

In unserer Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden bei türkischsprachigen (wie bei deutschen) Patienten folgende Störungen und Krankheitsbilder schwerpunktmäßig behandelt:

  • affektive und neurotische Erkrankungen wie Depressionen und Angst- und Zwangsstörungen
  • chronische Schmerzen, einschließlich somatoformer Schmerzstörungen sowie Somatisierungsstörungen
  • Psychosomatische Funktionsstörungen und Krankheitsbilder, die den Bewegungsapparat, die inneren Organe oder den neurologischen Bereich betreffen
  • Psychische Belastung in Zusammenhang mit Migration
  • Posttraumatische Belastungsstörungen und dissoziative Störungen (Konversionsstörungen)
  • Persönlichkeitsstörungen
  • Überlastungs- und Erschöpfungsreaktionen in psychosozialen Krisen, Burnout
  • somatopsychische Beeinträchtigungen nach organischen Erkrankungen, z. B. Bewältigungsprobleme als Folgen von operativen Eingriffen oder Unfällen.

Patienten mit Suchterkrankungen, akuter Selbstmordgefährdung und floriden psychotischen Störungen können nicht aufgenommen werden. Ebenso ist unsere Klinik nicht geeignet für Kinder und Jugendliche, wohl aber für Mütter und Väter mit deutschsprachigen Kindern, für die ganztägige Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Spezifische Probleme psychosomatisch erkrankter türkischsprachiger Patienten

Bis heute wurden bei mehr als 3000 türkischsprachigen Patienten stationäre psychosomatische Behandlungen in unserer Klinik durchgeführt. Unsere Behandlungserfahrungen zeigen, dass bei dieser Patientengruppe folgende Probleme bzw. Fragestellungen gehäuft auftreten:

  • Es handelt sich meist um bereits über mehrere Jahre chronisch verlaufende psychosomatische und depressive Erkrankungen, die zu langen Arbeitsunfähigkeitszeiten geführt haben. Regelhaft kommt es dabei zu umfangreichen und kostenintensiven diagnostischen Maßnahmen (oft mit Mehrfachuntersuchungen) und unbefriedigend ausgegangenen, fehlindizierten somatischen Behandlungsversuchen.
  • Die Patienten leiden unter einem starken Beschwerdedruck, wobei ein überraschend hoher Anteil der türkischsprachigen Kranken traumatisierende Erfahrungen mit offener Gewalt und massiv beeinträchtigenden Unfällen gemacht hat. In Einzelfällen liegen vor diesem Hintergrund chronifizierte posttraumatische Belastungsstörungen vor.
  • Die Patienten befinden sich häufig in schwierigen sozialen Konstellationen in ihrer Familie, der türkischen Gemeinde, der Arbeitswelt oder ihrem sonstigen Umfeld, wobei es – z. T. durch die Migration in einen fremden Kulturkreis ausgelöst – häufig zu Rollenkonflikten und/oder sozialem Rückzug kommt. Bewältigungsfähigkeiten und psychische Funktionen, wie Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, sind vor allem bei türkischen Frauen oft besonders defizitär ausgebildet.
  • Bei einem Teil der Patienten liegen neben der psychosomatischen Erkrankung weitere, z. T. schwerwiegende organische Gesundheitsstörungen und Risikofaktoren vor. Trotz umfangreicher Vordiagnostik fehlt in der Regel ein Gesamtbehandlungskonzept, und die Patienten sind schlecht informiert, sodass die Behandlungsmöglichkeiten häufig bei Weitem nicht ausgeschöpft werden.

Vor diesem Hintergrund sollte aus unserer Sicht möglichst bereits auf betrieblicher Ebene der Anstoß zu einer stationären Rehabilitationsmaßnahme gegeben werden, wenn sich bei türkischsprachigen Patienten Arbeitsunfähigkeitszeiten häufen und sich ein chronischer Verlauf der Gesundheitsstörungen abzeichnet. Die Aufgaben und die Chancen einer rechtzeitig durchgeführten stationären psychosomatischen Behandlungsmaßnahme liegen dann darin, durch eine umfassende Bewertung der psychischen und der somatischen Gesundheitsstörungen zu einem Gesamtbehandlungsplan zu kommen, in dessen Rahmen die Patienten nach entsprechender Aufklärung aktiv und langfristig mitarbeiten können.