Forschung made in Bad Segeberg - eine Herzklappe ist besser als die andere

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Eine Studie des Herzzentrums über den Einsatz von künstlichen Herzklappen sorgt international für Ansehen. Patienten erhalten in Zukunft noch mehr Sicherheit.

Für Menschen mit ausgeprägter Herzschwäche aufgrund eines Herzklappenfehlers gibt es in der Kardiologie ein Verfahren, das hilft und den Menschen wieder ein normales Leben ermöglicht -  die  kathetergestützte transartielle Aortenklappen-Implantation (TAVI). Dabei wird die künstliche Ersatzklappe in zusammengefaltetem Zustand mittels eines Herzkatheters über die Leistenarterie oder die Herzspitze an ihren Einsatzort am Herzen gebracht und dort entfaltet. Dieses Verfahren verläuft größtenteils unblutig und eignet sich besonders für Patienten, die für einen offenen chirurgischen Eingriff nicht geeignet sind.

Im Herzzentrum der Segeberger Kliniken werden auf diese Weise jährlich etwa 120 TAVI-Klappen implantiert. Ein ballon-expandierendes Implantat und ein selbstexpandierendes System stehen zur Auswahl. Die Entscheidung für oder gegen einen Klappentyp fällten die Ärzte bisher recht willkürlich. Grund sind ein Mangel an gesicherten und damit verwertbaren Daten, mit denen eine Klappenart gegenüber der anderen präferiert werden könnte. „Das sind keine guten Grundlagen für eine ärztliche Maßnahme. Als Arzt brauchen wir aber geprüfte Daten, um die richtigen Entscheidungen zu fällen“, sagt Prof. Gert Richardt, Chefarzt am  Herzzentrum in Bad Segeberg.

Durch eine im Herzzentrum Bad Segeberg durchgeführte Studie ist diese Grundlage nun geschaffen worden. Die Studie zeigt, dass das System der ballon-expandierenden Klappe dem selbstexapandierendem System überlegen ist. „Es ist die weltweit erste Studie, die einen Vergleich beider Klappensysteme vorgenommen hat. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass diese Untersuchung allein und unabhängig vom Herzzentrum finanziert wurde und keinen wirtschaftlichen Zielen unterlag“, betont Studienleiter Dr. Mohamed Abdel-Wahab, Oberarzt am Herzzentrum in Bad Segeberg.

Über drei Jahre wurden in den Herzzentren Bad Segeberg und Bad Krozingen, den Uniklinika München und Lübeck sowie der Asklepios-Klinik Hamburg-St. Georg die Aortenklappenimplantationen von 241 Patienten ausgewertet. Jeweils die Hälfte der Patienten wurde mit je einem Klappensystem behandelt. Ziel war es zu klären, wie dicht die Klappen schlossen, ob die Verengung beseitigt wurde und wie sich die Positionierung der Klappe darstellte. Im Ergebnis stellte sich die ballon-expandierende Herzklappe als erfolgversprechender heraus. „Wir können damit den Patienten größere Sicherheit bieten, denn wir wissen nun, dass die sich durch eine Ballon öffnende Klappe besser im Herzen positioniert werden kann“, so Abdel Wahab. In Bad Segeberg werde nun vermehrt dieser Klappentyp eingesetzt.

Welche der beiden Klappensysteme auf lange Sicht die bessere Wahl ist, kann und sollte die Studie nicht beantworten. Um dazu Aussagen zu treffen, sind weitere Langzeitstudien notwendig, an denen sich auch das Herzzentrum der Segeberger Kliniken beteiligen wird.

Weltweit hat die Studie des Segeberger Herzzentrums im Fachbereich Kardiologie einen spürbaren Wirbel ausgelöst. Grund ist insbesondere die Tatsache, dass diese Klappentypen in den USA erst in jüngster Zeit von den Gesundheitsbehörden für den amerikanischen Markt zugelassen wurden und die Studienergebnisse die Börsenkurse der Hersteller beeinflusst hatten.

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