Sondenentfernung mit Lasertechnik

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Bei verschiedenen Defekten und besonders Infektionen müssen Elektroden von Herzschrittmachern und Defibrillatoren entfernt werden. Durch das neue Verfahren ist keine aufwendige HerzOP mehr notwendig. Problem: schwelende Infektionen werden häufig nicht erkannt.    

Herzschrittmacher und Defibrillatoren verschaffen Menschen ein sicheres und beschwerdefreies Leben. Allerdings können sowohl die Sonden (dünne Kabel), die den Strom vom Schrittmacher zum Herzen leiten, im Laufe der Zeit versagen und zu Fehlfunktionen führen, als auch Herzschrittmacher-Tascheninfektionen auftreten, die  zwingend behandlungsbedürftig sind, da sonst eine direkte Infektion des Herzens die Folge sein kann. Wie bei Hellmut Rehme, der seit 2009 einen Defibrillator trägt. „Anfangs hat es unter der Haut nur gejuckt, später bildete sich eine Wunde und ich ging dann besser zu einem Chirurgen. Die ganze Zeit hatte ich Angst, dass die Sonden während einer großen OP herausoperiert werden müssten“, sagt der 71-jährige Oldesloer, der schließlich in die Herzchirurgie ins Segeberger Herzzentrum überwiesen wurde, wo man das Problem sogleich erkannte.

Herzschrittmacher und Defibrillatoren werden unterhalb des Schlüsselbeins eingesetzt und die Sonden von dort über Blutgefäße zum Herzen gelegt. Kontakte an der Spitze – die Elektroden – übertragen die elektrischen Impulse des Schrittmachers. „Man kann davon ausgehen, dass bei über 50 Prozent der Sonden nach 10 Jahren Funktionsprobleme auftreten und es bei längerer Liegezeit zu schweren Verwachsungen kommen kann. In solchen Fällen sind häufig offene Herzoperationen notwendig, um funktionstüchtige Systeme zu erhalten oder infizierte Systeme komplett zu wechseln“, sagt Dr. Mathias Perthel, behandelnder Oberarzt und Herzchirurg in der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie.

Wenn die Sonden sich nicht einfach rausziehen lassen, muss in der Regel der Brustkorb geöffnet und unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine operiert werden. Hier im Herzzentrum der Segeberger Kliniken wird seit Ende 2013 ein Verfahren angewandt, mit dem die Sonden herausgeschält werden. Dafür ist nur ein kleiner Hautschnitt notwendig. Durch den Zugang wird eine winzige Röhre über die Sonde gestülpt, langsam nach vorne bewegt und anhaftendes Gewebe mittels eines Laserlichts abgeschält. Die Laserexplantation ist schonend und sehr erfolgreich. Der Operateur orientiert sich während der Prozedur mittels Röntgendurchleuchtung. In 22 Operationen hat Perthel defekte oder infizierte Sonden ohne Komplikationen entfernt. „Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Jahren auf  Grund der deutlich gestiegenen Implantationszahlen diese Eingriffe häufiger notwendig werden“, sagt er. Insgesamt wurden weit über drei Millionen Deutsche in den letzten Jahren mit Herzschrittmacher- und Defibrillatoren versorgt.

Nach Perthels Erfahrung kommt es nicht selten vor, dass chronische Infekte im Bereich der Systeme von Ärzten erst spät zur weiteren Therapie überwiesen werden. Auch Hellmut Rehme wies neben der Schwellung der Herzschrittmacher-Tasche nur wenig Symptome auf: „Häufig fehlen die typischen Entzündungszeichen, wie Rötung, Überwärmung und Schmerz. Auch lassen sich im Blutbild nicht immer typische Anzeichen erkennen. Deshalb sollten Veränderungen im Bereich der Herzschrittmacher-Taschen immer ein Alarmsignal sein und der Patient in einer geeigneten Einrichtung vorgestellt werden.“

Das Verfahren wird in Schleswig-Holstein nur im Segeberger Herzzentrum und in der Uniklinik Lübeck angewandt. Die Prozedur mit Lasertechnik dauert nicht mehr als eine Stunde und der Patient kann nach wenigen Tagen wieder nach Hause. So auch Hellmut Rehme. Der Buchhändler aus Oldesloe hatte sich ursprünglich auf einen vierwöchigen Aufenthalt im Krankenhaus eingestellt. In Abstimmung mit den Rhythmusexperten der Kardiologie wurde er mit einem neuen Defibrillatorsystem auf der anderen Körperseite ausgestattet und konnte die Klinik nach sechs Tagen verlassen.

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