Erster Herzpatient in Schleswig-Holstein erhält neuartige Herzklappe

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Die Aortenklappe neuen Typs hält wesentlich länger und neigt weniger zu Verkalkung. Optimierte Versorgung für besonders junge Patienten. Segeberger Herz- und Gefäßzentrum erste Klinik, die diesen Typ seinen Patienten anbietet.

Michael Klute ist einer, der anpacken kann. In seinem Beruf als Polizist in der Forschungsabteilung in Eutin geht er auf. Doch seit September hat sich das Leben des Mannes aus Bad Malente abrupt verändert. „Es fing an mit dem Verschluss einer Augenarterie. Während der weiteren Diagnostik wurde festgestellt, das eine meiner Herzklappen nicht mehr richtig funktionsfähig ist. „Du bist doch dafür viel zu jung“, dachte ich nur. Und nun bekomme ich eine neue Herzklappe“, sagt der Oberkommissar.

Wenn die Herzklappe nicht mehr richtig öffnet oder schließt, stellen sich Luftnot, Schwindel und Belastungsschwäche ein. Treppensteigen wird zum Problem. Aber Klute bekommt nach einem wenige Zentimeter langen Hautschnitt nicht irgendeine Aortenklappe von Chefarzt Prof. Stefan Klotz eingesetzt. Mit seinen 54-jahren ist Klute ein vergleichsweise junger Herzpatient. Und da die bisherigen Herzklappen nur eine Lebensdauer von 10-12 Jahren haben, ist die Medizin bestrebt, jungen Herzpatienten ein langlebendigeres Material anzubieten. „Bisher gab es dazu jedoch keinen Anbieter“, sagt Klotz. „Das hat sich geändert. Wir werden bei diesem Patienten erstmals in Schleswig-Holstein ein optimiertes Material einsetzen, das länger hält, besser reoperiert werden kann und weniger anfälllig für Verkalkung ist.“

Der neue Herzklappentyp besteht wie der Vorgänger aus tierischem Material. Heutige Bioklappen werden aus dem Herzbeutel von Rindern gewonnen und gelten als besonders verträglich im Vergleich zu Klappen aus Schweinegewebe oder eine mechanische Herzklappe, bei der man sein Leben lang auf blutverdünnende Medikamente angewiesen ist. Der neue Klappentyp durchläuft in der Herstellung andere chemische Verfahren, die dazu führen, dass weniger Kalkanlagerungen an der Klappe stattfinden – sie hält also länger. Darüber hinaus wird die Lebensdauer einer solchen Aortenklappe auf 20 Jahre avisiert. Danach ist es ist leichter, in einem schonenden kardiologischen Katheterverfahren eine neue Klappe einzusetzen.

In der Klinik für Herzchirurgie werden jährlich 100 Herzklappen implantiert. Dabei wird nicht mehr wie in der Vergangenheit der ganze Brustkorb eröffnet. Viel mehr reicht ein kleiner Hautschnitt von wenigen Zentimetern aus, um dem Operateur die freie Sicht zur Herzklappe zu ermöglichen. Nach einer Woche Aufenthalt auf Station, kann der Patient in die dreiwöchige Reha entlassen werden. Danach kann er sich beruflich und sportlich wieder voll belasten. Michael Klute ist aus der Narkose erwacht und freut sich, bald nach der Reha wieder in seinen Beruf einsteigen zu können.

BU: Oberkommissar Michael Klute auf der Intensivstation nach der erfolgreichen Operation. Prof. Stefan Klotz kümmert sich intensiv um seine Nachbehandlung und freut sich über das Ergebnis.

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