Gelenkerhalt vor Gelenkersatz – innovatives Verfahren zur Knorpelregeneration

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Unbehandelte Knorpelschäden in Knie-, Sprung- oder Hüftgelenk führen langfristig zur Arthrose. Ein minimalinvasives, präventiv wirkendes Verfahren, das jetzt in Bad Segeberg angewendet wird, kann die Knorpelregeneration anregen und die Gelenkfunktion wiederherstellen. Die Klinik für Chirurgie erweitert damit ihr Angebot.

Die 17-Jährige Sonja ist eine richtige Sportskanone. Eigentlich macht die 1,80 Meter große Schülerin mit Leidenschaft Leichtathletik. Nun war sie aber beim Schulsport auf dem Sportplatz umgeknickt und mit einem geschwollenen Knie und Schmerzen am nächsten Tag in der Notaufnahme der Allgemeinen Klinik der Segeberger Kliniken aufgetaucht. Diagnose nach einer Magnetresonanztomografie (MRT): Knorpelschaden hinter der Kniescheibe. „Oftmals ist solch ein Knorpelschaden ein Zufallsbefund, denn defekter Knorpel erzeugt selbst keinen Schmerz. Daher bleiben Knorpelschäden unter Umständen unentdeckt und unbehandelt. Erst später kommt der Schmerz und die Funktion des Gelenkes verschlechtert sich. Ein Problem, denn Knorpelschäden im Gelenk begünstigen Verschleiß (Arthrose)“, sagt PD Dr. med. habil. Jan C. Schagemann, Oberarzt der Klinik für Chirurgie der Segeberger Kliniken.

Deshalb hat sich der Facharzt für orthopädische Chirurgie schon lange intensiv mit einem Verfahren beschäftigt, das hier Abhilfe schafft. Autologe matrixinduzierte Chondrogenese, kurz AMIC, ist ein Verfahren, das dazu dient, den defekten oder fehlenden Knorpelbelag zu regenerieren. „Knorpelgewebe kann nicht nachwachsen. Ein Knorpeldefekt wird durch minderwertiges Narbengewebe ersetzt. Wir haben mit dem AMIC Verfahren die Möglichkeit, die Selbstheilungskräfte des Körpers über die Rekrutierung von Knochenmarksstammzellen zu induzieren und mittels Verwendung einer dreidimensionalen Kollagenmatrix zu optimieren. Klinische Studien belegen die Effektivität dieses Verfahrens“, sagt Schagemann.

Das AMIC-Verfahren geht auf eine Operationstechnik aus den 90er Jahre zurück – die sogenannte Mikrofrakturierung. Dabei werden bei einem minimalinvasiven Eingriff kleine Mikrobohrungen in die knorpeltragende Knochenplatte gebohrt. Im Defekt bildet sich auf diese Weise ein Blutgerinsel, welches essentielle Bausteine zur Bildung neuer Knorpelmasse enthält. Das zusätzlich eingesetzte Kollagenvlies, das der eigentlichen Knorpelmatrix ähnelt, hält den sogenannten „Superthrombus“ im Defekt und bietet den Knochenmarksstammzellen optimale Bedingungen zur Knorpelregeneration. Mit diesem Verfahren erweitert die Klinik für Chirurgie zukünftig ihr Leistungsangebot: „Wir bieten mit diesem Verfahren eine gut funktionierende Therapie an, um Gelenkbeschwerden schon früh eindämmen zu können, bevor es zu irreversiblen Schädigungen am Gelenk kommt. Somit können auch weitere Operationen vermieden werden“, urteilt Chefarzt Dr. Robert Keller.

Doch der arthroskopische Eingriff ist nur die halbe Miete des Erfolgs. Einige Wochen muss das operierte Gelenk entlastet werden. Bewegungsübungen hingegen erfolgen sofort nach dem Eingriff über eine Motorschiene, um das heranwachsende Gewebe auszureifen. „Das Verfahren ist im Grunde eine wiederherstellende und präventive Maßnahme, die für alle großen Gelenke, wie Hüfte-, Knie- und Sprunggelenk, durchführbar ist. Es stellt die Gelenkfunktion wieder her und beugt späteren Verschleißerkrankungen vor“, so der Experte für regenerative Gelenkverfahren.

Die Segeberger Kliniken gingen 1990 aus dem Rehabilitationszentrum Bad Segeberg hervor und sind heute das größte private Klinikunternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein. Für jährlich über 20.000 Patienten bietet die Klinikengrupe ein medizinisch ganzheitliches Leistungsangebot bestehend aus Prävention, Akutmedizin und Rehabilitation. In Fachzentren, Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren sind 1.900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Klinik mit 1.050 Betten befindet sich in privater Trägerschaft und ist Eigentümer geführt.

 

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