Große Parkinson-Studie in Schleswig-Holstein gestartet

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Das wissenschaftliche Projekt „ParkProTrain“ soll untersuchen, ob ein individuelles Trainingsprogramm mit Unterstützung eines Tablets Parkinson-Patienten hilft. Patienten, die in der Klinik behandelt werden, sind eingeladen, sich zu beteiligen.

Parkinson gilt nach Demenz als eine der häufigsten neurodegenertiven Erkrankungen. In Deutschland sind ca. 300.000 Menschen betroffen. Die Patienten leiden unter vielfältigen motorischen und nicht-motorischen Symptomen, die ihren Alltag und den ihrer Angehörigen stark beeinträchtigt. Während in einer stationärer Parkinson-Komplexbehandlung ein vielfältiges und intensives medikamentöses und nicht-medikamentöses Behandlungsprogramm möglich ist, fehlen im ambulanten Setting häufig Strukturen und personelle Kapazitäten, die für den interdisziplinären Umgang mit der Erkrankung notwendig sind und die eine hohe Therapiefrequenz an übenden Verfahren gewährleisten. „Zusätzlich zu einer individuellen medikamentösen Behandlung haben übende Verfahren, wie Physio-, Ergo-, Sprach-, Musik- und Sporttherapien einen hohen Stellenwert. Dies sollte intensiv und insbesondere stetig erfolgen, sonst können wir nicht den notwendigen Behandlungserfolg erwarten“, erklärt Prof. Dr. Björn Hauptmann, Chefarzt der Abteilung für Parkinson und Bewegungsstörung im Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken. Er ist neben Prof. Ruth Deck vom Institut für Sozialmedizin der Uni Lübeck einer der Initiatoren der Studie, die vom Innovatgionsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss finanziert wird.

In dem individualisierten Trainingsprogramm für Parkinson-Patienten „ParkProTrain“ sollen körperlich-aktivierende Übungen nun über ein individuelles Trainingsprogramm zu Hause geübt werden. Das Trainingsprogramm der Studie wurde als Tablet-Applikation entwickelt und enthält über 140 parkinsonspezifische Übungen für Ausdauer, Kraft und Gleichgewicht sowie weitere körperliche Aktivitäten, z. B. Tai Chi, Tanzen oder Nordic Walking. Dabei sind alle Übungen durch Bilder und Videos anschaulich angeleitet. Jeder Patient erhält in der Klinik ein Tablet mit einem für seine Probleme aufgespielten Trainingsprogramm. Den Umgang mit dem Tablet und die Durchführung der Übungen lernen die Patienten während der Parkinson-Komplexbehandlung in der Klinik. Danach nehmen die Patienten das Tablet mit nach Hause und führen dort die entsprechenden Übungen selbständig weiter durch. Sie bleiben dabei aber immer mit der Physiotherapeutin der Klinik in Kontakt, um Fragen oder Probleme beim Trainingsprogramm besprechen zu können.

René Vojtek nimmt als Parkinson Patient an der Studie teil. Dem 32-jährigen Manager ist es nicht nur wichtig, seine Erkrankung in den Griff zu bekommen. „Ich möchte gern etwas dazu beitragen, dass Parkinson weiter erforscht wird,“ sagt der Hamburger. „Ein wesentliches Ziel des Programms ist es, die Patienten zu einem eigenverantwortlichen, stetigen Eigentraining anzuleiten und zu motivieren. Um entscheiden zu können, ob das Programm als neue Versorgungsform umsetzbar ist, müssen wir Parkinson-Patienten, die die bisherige ambulante Standardversorgung erhalten mit denen, die dieses digitale Programm durchlaufen, vergleichen“, erklärt Hauptmann. Prof. Ruth Deck ergänzt: „Wir haben bereits mit ähnlichen Studien bei Patienten mit Rückenschmerzen und Herzerkrankungen beachtliche Erfolge erzielen können. Grundlage für statistisch belastbare Ergebnisse ist dabei eine ausreichende Teilnehmerzahl.“

Parkinon Patienten, die im Rahmen einer Parkinson-Komplexbehandlung stationär in der Klinik aufgenommen sind, wird in den nächsten acht Monaten als Ergänzung eine Teilnahme an der Studie angeboten. Da häufiger Absprachen und Untersuchugnen notwendig sind, ist eine räumliche Nähe zum norddeutschen Raum hilfreich.

Wer Informationen zu der PPT-Studie erhalten möchte, melde sich gern bei Ann-Kristin Hoffmann (Tel. 04551 8026983 oder per E-Mail unter ann-kristin.hoffmann@segebergerkliniken.de), die als Physiotherapeutin und wissenschaftliche Mitarbeiterin die Studie betreut unter.

 

BU: René Vojtek ist mit seinem Tablet bereits sehr vertraut. Unter Anleitung von Ann-Kristin Hoffmann und Prof. Björn Hauptmann probiert er neue Applikationen der ParkProTrain-Studie aus.

 

Die Segeberger Kliniken gingen 1990 aus dem Rehabilitationszentrum Bad Segeberg hervor und sind heute das größte private Klinikunternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein. Für jährlich über 40.000 Patienten bietet die Klinikengrupe ein medizinisch ganzheitliches Leistungsangebot bestehend aus Prävention, Akutmedizin und Rehabilitation. In Fachzentren, Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren sind 2.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Klinik mit 1.000 Betten befindet sich in privater Trägerschaft und ist Eigentümer geführt.

 

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