Höherer Sicherheitsfaktor bei Sturzgefahr für Parkinsonpatienten

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Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen installiert System zur Sturzerkennung des Fraunhofer Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung - IPA in Stuttgart.

Die Gefahr besteht immer. Der Sturz eines alleinstehenden alten Menschen kann zu schwerwiegenden Folgen bis hin zum Tod führen, wenn rechtzeitige Hilfe ausbleibt. Diese Problematik besteht auch besonders für Parkinsonpatienten. „Patienten mit Parkinson stürzen etwa doppelt so häufig wie ihre gesunden Altersgenossen. Bei starker Ausprägung auch mehrfach täglich. Häufig kommt es dabei zu Oberschenkelhalsfrakturen, anderen Knochenbrüchen oder Schädelverletzungen“, schildert Prof. Björn Hauptmann das Problem, Chefarzt der Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen im Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken. Das Fraunhofer IPA in Stuttgart hat nun im Rahmen einer Forschungsarbeit der Fachklinik für Parkinson und Bewegungsstörungen ein System zur Sturzerkennung zur Verfügung gestellt. „Die Idee über digitale Sensoren die Sturzgefahr alter Menschen zu überwachen und über ein automatisches Alarmsystem Hilfe zu holen, ist aus dem Bedürfnis entstanden, Senioren mehr Sicherheit im Vergleich zu den bislang verfügbaren Systemen zu bieten, damit sie länger zu Hause leben können“ erläutert Sascha Getto vom Fraunhofer IPA in Stuttgart.

Das System zur Sturzerkennung besteht aus Sensorboxen und einem Alarmserver. Je nach Größe des Patientenzimmers werden ein bis drei Boxen installiert, die über Kamerasensoren unter anderem die Geschwindigkeit und Fallhöhe des Patientenkörpers registrieren und danach einen Alarm aussenden, der über den Server als Textnachricht an die jeweiligen Krankenschwestern übermittelt wird. Das nach einem Sturz eigenständige Drücken eines Notfallknopfes, wie es bisher in Altenheimen der Fall ist, entfällt dabei.

„In der Klinik geht es natürlich darum, alles zu tun, um Stürze zu vermeiden. Deshalb haben wir auf unserer kürzlich eröffneten neurogeriatrischen Parkinsonstation, auf der vorwiegend Parkinsonpatienten mit Gang- und Gleichgewichtsstörungen behandelt werden, neben anderen Maßnahmen alle Zimmer mit Niedrigflurbetten ausgestattet und auf kurze, übersichtliche Wege zu den Therapieräumen geachtet“, erläutert Hauptmann. Er sieht das neue System als einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor, da nach einem Sturz ein Patient möglicherweise gar nicht mehr in der Lage ist, einen Notfallknopf zu drücken. Unbeachtete Stürze im Patientenzimmer können künftig schneller erkannt werden, so dass Pflegekräfte und Ärzte noch schneller reagieren können. Im Rahmen der Erprobungsphase wird zunächst ein Zimmer und ein Teil des Stationsflures überwacht. Das System unterstützt so die Pflegekräfte und führt zu mehr Patientensicherheit. Ein Gewinn für Personal und Patienten.

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