1000. Herzklappe eingesetzt

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Jubiläum im Herzzentrum: Minimalinvasives kathetergestütztes Verfahren zur Implantation von biologischen Aortenklappenprothesen hilft Patienten insbesondere im hohen Alter.

Bad Segeberg, 6. Oktober 2017 – Im Herzzentrum der Segeberger Kliniken gab es in diesen Tagen einen Grund zum feiern. In der Klinik für Kardiologie und Angiologie wurde die 1000. Herzklappe minimalinvasiv eingesetzt. Empfänger des Klappenersatzes war die 88jährige Louisa Faust aus Norderstedt. „Mein Großvater hat immer gesagt: Kinder, lacht viel. Das ist das beste Vitamin. Mit der neuen Herzklappe kann ich das jetzt wieder ohne Einschränkungen tun“, erzählt die gebürtige Belgierin putzmunter nach dem Eingriff. Hinter ihr liegt eine Zeit starker Atemnot mit Anfällen von Bewusstlosigkeit. Einziger Ausweg – der Ersatz der Aortenklappe.

Die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation (TAVI) begann im Herzzentrum vor zehn Jahren und setzt sich heute immer mehr durch. „Der Eingriff ist medizinisch ein riesiger Fortschritt, insbesondere für ältere und geschwächte Patienten, aber zunehmend auch für Jüngere“, erklärt Prof. Dr. Gert Richardt, Chefarzt der Klinik. Louisa Faust, die vom Leitenden Oberarzt PD Dr. med. Mohamed Abdel-Wahab mit einer biologischen Klappe versorgt wurde, ist nur wenige Stunden nach dem Eingriff wieder ansprechbar. TAVI-Eingriffe sind inzwischen das Standardverfahren für Risikopatienten, deren Aortenklappe nicht mehr richtig arbeitet. Noch vor wenigen Jahren wurde auch Patienten wie Faust der Brustkorb aufgeschnitten, wenn sie eine neue Herzklappe brauchten. Die Klappe wurde ins offene Herz gesetzt, der Brustkorb wieder
zugenäht. Die Operation dauerte mehrere Stunden und war für hochbetagte Patienten lebensgefährlich. Mehr als 90 Prozent der TAVI-Patienten sind heute älter als 70 Jahre, mehr als 5 Prozent älter als 90.

Die Ärzte heute arbeiten sich mit einem Spezialschlauch zum Herzen vor. Der Katheter ist nur wenige Millimeter dick und wird durch die Gefäße in der Leiste in die Blutbahn geschoben. Eine millimeterkleine Kunstklappe liegt bereit, bestehend aus einem Metalgitter mit einer eingenähten biologischen Herzklappe und sieht aus wie ein zusammengefalteter Regenschirm. Wie durch einen Tunnel wird die Kunstklappe durch den Herzkatheter zum Herzen vorgeschoben. Vor dem Herzen spannen die Ärzte den Schirm auf. Die Kunstklappe ersetzt die kranke Herzklappe des Patienten, die zur Seite gedrückt wird. Die Prozedur dauert nicht länger als 30 Minuten.

Jährlich werden im Herzzentrum ca. 200 Herzklappen auf diese Weise eingesetzt. „Anfangs war es ein finanzielles Wagnis, weil wir medizinisches Neuland betreten haben und weil die Krankenkassen für dieses neue Verfahren nur sehr zögerlich die Kosten übernahmen. Doch der unternehmerische Mut von Geschäftsführerin Marlies Borchert zahlte sich aus“, erläutert
Richardt. Heute zählt das Herzzentrum zu einer von nur 80 Kliniken in Deutschland, in denendie TAVI-Prozedur  durchgeführt wird. Die Patienten werden in der Regel über den Haus- oder den behandelnden Facharzt in die Klinik überwiesen. Hier betreut ein spezielles TAVI-Team den Patienten, bestehend aus Herzchirurgen, Kardiologen, Röntgenärzten, Anästhesisten und Pflegepersonal. Gemeinsam legt das Team fest, was für den Patienten die beste Versorgung ist. „Es wird hier nach klaren Regeln und Behandlungspfaden vorgegangen. Das gilt für die Zeit der speziellen Vorbereitung durch diagnostische Maßnahmen, bis hin zur sorgfältigen und auch langfristigen Nachverfolgung, um zu dokumentieren, wie es den Patienten nach dem Eingriff geht“, sagt Richardt. Da die Patienten häufig sehr betagt sind, werden auch Hausbesuche durch die Klinikärzte durchgeführt, falls eine Kontrolluntersuchung im Krankenhaus aufgrund
von Gebrechlichkeit nicht mehr möglich ist. Dort wird dann anhand von Ultraschallaufnahmen der Zustand der Klappen und des Herzens kontrolliert und dokumentiert.

Richardt geht fest davon aus, dass das TAVI-Verfahren noch sicherer und effektiver wird. Die Positionierung der Klappe werde einfacher, die Materialien werden sich weiter verbessern. Tendenziell werden dann auch jüngere Patienten von dem Verfahren profitieren.

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