Internationaler Frauentag: Frauen sterben, weil Signale nicht erkannt werden

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Frauen selbst, aber auch behandelnde Ärzte, sollten lernen, sensibler auf kardiologische Erkrankungen bei Frauen zu reagieren, fordert Rehaexpertin Dr. Ronja Westphal. Großveranstaltung im Herzzentrum zum Thema.

Obwohl jährlich über 200 000 Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben, werden Herzprobleme bei der weiblichen Bevölkerung immer noch ignoriert bzw. von Frauen selbst als nicht bedrohlich wahrgenommen, kritisiert die Leiterin der Rehabilitation im Herzzentrum, Oberärztin Dr. Ronja Westphal, anlässlich des Internationalen Frauentages am 08. März: „Es ist ganz einfach so, dass Frauen die Signale nicht ernst nehmen. Grund dafür ist insbesondere eine gestörte Selbstfürsorge mit der Folge, dass Frauen in der Regel unterversorgt sind und an Infarkten sterben, die im Normalfall entdeckt werden könnten, wenn man auf die Signale nur richtig reagierte“, so Westphal.

 

Frauen gehen bei Beschwerden im Brustbereich zuletzt von Herzproblemen aus. Eher werden Magenbeschwerden oder andere organische Gründe als Ursachen angeführt, erläutert Westphal. Dabei sind Frauen von ihrer Physiognomie her besser für kardiologische Interventionen geeignet als Männer: „Wir haben 2012 im Herzzentrum an einer Studie gezeigt, dass Frauen bei Aortenklappen-Interventionen einen größeren Überlebensvorteil gegenüber Männern haben. Trotzdem werden diese Therapien bei gleicher Indikation bei Frauen seltener durchgeführt.“

Die 39-jährige Oberärztin nimmt daher am Internationalen Frauentag die Gelegenheit wahr, für mehr Aufklärung und eine spezifischere Art der Information von behandelnden Ärzten gegenüber Frauen anzuregen: „Auch Kolleginnen und Kollegen müssen verstehen lernen, dass die Voraussetzungen bei Frauen in Bezug auf kardiologische Erkrankungen andere sind, das Frauen eine sensiblere Ansprache benötigen, damit die Symptome entsprechend eingeordnet werden.“ Frauen müssten dazu gebracht werden, dasselbe Risikobewusstsein zu verinnerlichen wie bei Männern und daraus aktiv zu werden, um sensibler auf solche Erkrankungen reagieren.

Westphals Erfahrungen werden durch die Tatsache untermauert, dass in der kardiologischen Versorgung das Verhältnis von Männern und Frauen bei 70 zu 30 liegt. Westphal weist in diesem Zusammenhang stets auf die aufstrebende Gendermedizin hin, in der die geschlechtsspezifischen biologischen Merkmale von Männern und Frauen berücksichtigt werden. „Die Gendermedizin hilft uns besser zu verstehen, wie sich die Unterschiede von Mann und Frau auf Krankheiten wie z. B. Herzinfarkte auswirken.“

Vertiefend zu diesem Thema findet am 22. Mai in Bad Segeberg die 41. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation DGPR von Herz-Kreislauf-Erkrankungen statt. Gastgeber ist das Herzzentrum der Segeberger Kliniken. Tagungspräsidentin ist neben Westphal Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek von der Charité Berlin.

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