Kardiologische Versorgung bis ins hohe Alter

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Das Herzzentrum ist zunehmend die letzte Hilfe für betagte Patienten, wenn es um die Therapie von Herzerkrankungen und die Erhaltung der Lebensqualität geht.

Bildunterschrift: PD Dr. med. habil. Mohamed Abdelwahab, Gisela Willhöft, Prof. Gert Richardt.

Bad Segeberg, 03.07.2017 – Gisela Willhöft ist 95 Jahre alt. Sie fährt Fahrrad, trifft regelmäßig ihre Freundinnen und nimmt aktiv am sozialen Leben teil. Bisher freute sich die Norderstedterin über eine robuste Gesundheit. Bis zu dem Tag, an dem sie über Appetitlosigkeit klagte und sich auch sonst plötzlich ganz schwach fühlte. „Bis dahin ging es mir trotz meines hohen Alters prächtig. Ich bin ein selbständiger Mensch und mache die Dinge am liebsten so, wie ich es mag. Das ging dann nicht mehr und es war meine größte Angst, dass dies so bleiben könnte. Daher war ich froh, dass man mich hier im Herzzentrum trotz meiner 95 Jahre behandelt hat“, sagt die alte Dame in bester Laune nach ihrer Herzbehandlung.
Ein Herzinfarkt ist es, der Gisela Willhöft die Lebenskraft nimmt. Die Herzkranzgefäße müssen mittels eines Bohrers vom Kalk befreit und so die Leitungen zum Herzen wieder gangbar gemacht werden. Mehrere Stents werden gelegt. Der medizinische Einsatz mittels Herzkatheter über die Leistengefäße ist für die Ärzte bei der hochbetagten Patientin keine Selbstverständlichkeit. „Der Eingriff bei einem 95-jährigen Patienten birgt immer ein hohes Risiko. Wir können diese Eingriffe nur verantworten, weil wir in den letzten Jahren viel Erfahrung in der Behandlung von hochbetagten Patienten gesammelt haben“, sagt Chefarzt Prof. Gert Richardt. Dabei profitiere man auch von den Erkenntnissen bei der Katheterbehandlung von Herzklappenfehlern, die in der Regel auch bei sehr alten Patienten zur Anwendung kommen.
„Die Komplikationsrate bei betagten Patienten bleibt jedoch hoch. Wir haben daher Prozesse entwickelt, um diese Risiken zu minimieren. Dazu gehört eine intensive Beschäftigung mit den Vorerkrankungen und den aktuellen Beschwerden sowie der allgemeinen Fitness des Patienten. Außerdem planen wir die Eingriffe besonders genau und nutzen dazu unsere moderne Bildgebung (Echokardiographie und CT). Während der Eingriffe werden an das Patientenalter angepasste Stenttechniken und Medikamentengaben beachtet“, sagt Richardt. Ihre medizinische Leistung würde daher auch von Menschen nachgefragt, die an anderen Kliniken aufgrund ihres hohen Alters und anderer Begleiterkrankungen keine Perspektive bekommen haben. Ziel dabei sei nicht unbedingt immer eine Lebensverlängerung. Vielmehr gehe es dabei um das Wiedererlangen der hohen Lebensqualität, welche die Patienten bisher hatten. Das Herzzentrum sei daher ein spezialisierter Ort für Patienten, die bereits ein hohes Alter erreicht haben und mit Herzproblemen hierher kommen. Mit guten Erfolgen. Bei den über 80-jährigen liegt die Erfolgsbilanz für Eingriffe am Herzen bei über 95 Prozent, und selbst die über 90-jährigen profitieren noch in mehr als 90 Prozent. Hinzu kommt die Einbindung des Herzzentrums in die gesamte Klinikgruppe, die mit ihrem Gesamtportfolio an Gesundheitsleistungen einen wesentlichen Sicherheitsfaktor für ältere, oft multimorbide Patienten bietet, wenn es zu Komplikationen kommen sollte, die über die Kardiologie hinausgehen. Ein Vorteil gegenüber reinen Fachkliniken.
Auch für Gisela Willhöft hat sich der Eingriff gelohnt. Sie ist bereits wieder in ihrer Wohnung in Norderstedt und freut sich auf das nächste Treffen mit ihren Freundinnen.

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