Mit dem Kajalstift zu mehr Selbstbewusstsein

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Die Diagnose Brustkrebs ist für Frauen schockierend. Erst die körperlichen Veränderungen während der Therapie machen die Krankheit sichtbar. Gut besucht sind daher Schminkkurse in denen man lernt, den Verlust von Augenbrauen und Wimpern zu kaschieren.  

Am Anfang ist es der Schock über die Diagnose, der die Frauen aus dem Gleichgewicht bringt. Brustkrebs – und was nun? Erst verspätet stellt sich dann das Bewusstsein darüber ein, was die Krankheit eigentlich mit dem Körper macht. „Die Frauen fallen häufig in ein emotionales Loch, wenn sich Körperveränderungen durch die Therapie zeigen. Hier ist unser Ansatz, dass wir auch da Hilfe bieten, wo sich Selbstvertrauen und Selbstbewustsein wieder aufbauen lassen“, schildert Dr. Inka Buttge, Leitende Oberärztin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Segeberger Kliniken die Idee, Krebspatientinnen einen Schminkkurs anzubieten.

11 Frauen zwischen 29 und 67 Jahren sind Buttges Einladung gefolgt. Eine Expertin für dermatologische Pflegeprodukte hat ihr Arsenal an Cremes, Pasten, Pudern, Wimperntusche und Lippenstiften auf dem Tisch drapiert. Die Stimmung ist wie auf einem Klassenausflug. Trotz der lebensbedrohenden Krankheit ist allen der Humor erhalten geblieben. „So einen Schminkkurs wollte ich schon immer mal machen. Aber man sagte mir, ich sei viel zu schön“, erzählt Margrit Stabenow und alle lachen herzlich. Im letzten Jahr bekam die 70-jährige die Diagnose Brustkrebs. Wie sie auch, so haben die meisten Frauen nach der Diagnose eine Operation und verschiedene Chemo- und Strahlentherapien hinter sich. „Nach 14 Tagen fielen meine Haare aus. Da wurde ich sehr traurig. Aber ich habe große Unterstützung von meinem Mann und meiner Familie erhalten. Heute habe ich meine Krankheit aktzeptiert. Ich bin hier, um etwas für meine Augenbrauen zu tun, die so nicht mehr da sind“, sagt die Frau aus Leetzen.

Haarausfall, fehlende Augenbrauen und Wimpern, fahle Haut, die Krebstherapie verlangt dem Körper viel ab. Es sind Informationen und Tipps, die alle Frauen hier zu bekommen hoffen. Was mache ich mit fehlenden Augenbrauen oder Wimpern? Wie kann ich mich schminken, um weniger krank auszusehen? Das fragte sich auch Ina Wulf. Mit 28 Jahren stellte man bei ihr Brustkrebs fest. Ein Schock für sie und ihren Lebenspartner: „Mein Freund hat mir die Haare gleich abrasiert, als sie begannen auszufallen. Ich fühlte mich häßlich, nahm sehr an Gewicht zu. Und als Wimpern und Augenbrauen ausfielen, konnte ich mich nicht mehr im Spiegel anschauen. Mein Selbstbewusstsein war am Boden“, sagt die heute 29-jährige aus Klein Rönnau. Inzwischen hat sie ihre Zuversicht zurückgewonnen und ihr Übergewicht wieder abgebaut. In der Hochphase ihrer depressiven Zeit wollte sie sich unkontrolliert sämtliches Make up auf die Haut schmieren, um nicht krank auszusehen. Besonders, als sie keine Augenbrauen mehr hatte. Daher hätte sie sich gewünscht, diesen Kurs früher belegen zu können.

Erst seit kurzer Zeit sind die Räumlichkeiten in der Allgemeinen Klinik so, dass solche Veranstaltungen in der Klinik adäquat durchgeführt werden können. Buttge will diesen Schminkkurs daher mit ihrem Team, der Leiterin der Notfallambulanz, Ulrike Bogdanski und ihrer Stellvertreterin Daniela Dittmann, zukünftig jedes Quartal anbieten. „Wir wissen um die positive Wirkung für die Patientinnen und sehen das auch als Komplettierung unseres Versorgungsangebots von der Befundung und einer lückenlosen Diagnostik mittels digitaler diagnostischer und interventioneller Mammographie, Brustultraschall und Durchführung von Stanzbiopsien bis zur Therapie einschließlich Brustoperationen und Wiederaufbau“, sagt Buttge, die jeden Mittwoch eine Brustkrebssprechstunde in der Klinik anbietet und im ständigen Austausch mit dem gynäkologischen Tumorboard steht. Das Gremium aus verschiedenen Fachärzten und Krebsexperten tagt 2xwöchentlich in der Allgemeinen Klinik und diskutiert sämtliche Fälle der in den Segeberger Kliniken zu behandelten Krebspatienten.  

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