Parkinson wird mit bewegungsgesteuerten Videospielen therapiert

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Die Patienten werden durch die virtuellen Umgebungen und Aufgaben zu therapeutischen Übungen und vermehrter Aktivität motiviert. Für die spezielle Weiterentwicklung im Bereich Parkinson wurde ein Vertrag mit dem Spieleentwickler RetroBrain geschlossen. Pünktlich zum heutigen 20. Weltparkinsontag wurden die ersten beiden Boxen installiert.

Bad Segeberg, 11. April 2017 – Die Fachklinik für Parkinson & Bewegungsstörungen im Neurologischen Zentrum der Segeberger Kliniken will mit speziell für Patienten entwickelten Videoprogrammen die körperliche Beweglichkeit von Parkinsonpatienten verbessern. Dafür wurde ein Projekt mit der Firma RetroBrain beschlossen, einem Spieleentwickler für präventive und gesundheitsfördernde Videogames aus Hamburg. „Parkinsonpatienten leiden im Verlauf ihrer Erkrankung zunehmend an körperlicher Bewegungseinschränkung. Mit speziell auf diese Bedürfnisse zugeschnittenen Videospielen werden Beweglichkeit und geistige Fähigkeiten der Patienten trainiert“, erläutert Chefarzt Prof. Björn Hauptmann.

Auf den ersten Blick scheinen sich die Videospiele der MemoreBox kaum von denen herkömmlicher Spielkonsolen zu unterscheiden. Allerdings erfolgt hier die Steuerung rein gestenbasiert und ohne Controller. Der Patient steuert die auf einem Fernseher angezeigten Spiele komplett durch Körperbewegungen und führt damit therapeutische Übungen aus. „Videospiele können Parkinson-Patienten helfen, sicherer zu gehen oder Bewegungsabläufe wieder neu zu erlernen. Viele kommerzielle Spiele, bei denen alte Menschen oder Patienten mit Parkinson schnelle Entscheidungen treffen und komplexe Bewegungen ausführen müssen, um Hindernisse zu umgehen, sind zu risikoreich und vor allem demotivierend“, erklärt Manouchehr Shamsrizi von der Firma RetroBrain.


Im Mittelpunkt steht die Ausübung von weitreichenden Bewegungen, um Balance- und Reaktionsfähigkeit zu verbessern. So kann beispielsweise mit Hilfe von ausladenden Körperbewegungen ein Motorrad gesteuert werden oder mit Armbewegungen von einem Fahrrad aus Briefe verteilt werden. Die Patienten über die virtuelle Plattform zu diesen Bewegungen zu motivieren und kognitiv zu aktivieren, ist ein wesentlicher Effekt dieser präventiven Therapieform. „Bislang wurden die Spiele in Senioreneinrichtungen, u. a. auch bei Demenzpatienten, eingesetzt. Im Rahmen des Projekts werden wir zusammen mit den Entwicklern die Spiele an die spezifischen Bedürfnisse von Parkinsonpatienten anpassen“, so Hauptmann. Und weiter: „Mit der MemoreBox haben wir therapeutisch die Möglichkeit, Bewegungen gezielt zu erfassen und zu korrigieren sowie die Patienten zu mehr Bewegung auch außerhalb der Therapiesitzungen zu motivieren. Darüber hinaus erzeugt der Prozess auch ein gemeinschaftliches Erlebnis mit viel Spaß für die Teilnehmer.“

RetroBrain ist ein aufstrebendes Hamburger eHealth- und Gamification- Startup, das ein interdisziplinäres Gründerteam mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums an der Humboldt-Universität zu Berlin initiiert hat, und das international als „a benchmark in the therapeutic gamification industry“ (LIFT Basel) gesehen wird. Gemeinsam mit der BARMER setzt RetroBrain aktuell erstmals ein Modellvorhaben nach dem neuen Präventionsgesetz um. „Mit neuen, innovativen Behandlungskonzepten wollen wir unsere Angebote für Patienten erweitern und ein Alleinstellungsmerkmal für unsere Klinik erreichen. So stärken wir auch das Fundament als attraktiver Partner für die Krankenkassen.“ erklärt Geschäftsführer Axel Post.

 

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