Spezielle Reha für Patienten mit Schaufensterkrankheit

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Die Rehaabteilung des Herzzentrums nimmt als einzige Einrichtung in Norddeutschland an einer Studie zur verbesserten Versorgung von Rehapatienten mit PAVK teil.

Sie gilt als eine der unterschätzten Krankheiten. Im Volksmund bezeichnenderweise „Schaufensterkrankheit“ genannt, ist die Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) eine lebensbedrohende Erkrankung, die häufig lange verschleppt wird und bei der die therapeutischen Herausforderungen in der Rehabilitation nicht ausreichend angenommen werden. „Wir müssen feststellen, dass die therapeutischen Anwendungen in der Reha häufig nicht genau genug auf die Bedürfnisse dieser Patienten ausgerichtet sind. Hier müssen wir ansetzen und spezielle Programme entwickeln, damit diesen Patienten besser geholfen werden kann“, sagt Chefärztin Dr. Ronja Westphal, Leiterin der Rehabilitation im Herzzentrum der Segeberger Kliniken.

Gemeinsam mit sieben weiteren Kliniken in Deutschland ist Westphal mit ihrem Team Teil eines Studienprogramms, das gemeinsam von den Fachgesellschaften Deutsche Gesellfschaft für Prävention und Rehabilitation (DGPR) und Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) und der Rentenversicherung aufgelegt worden ist. Ziel der Studie ist es, spezielle Programme auszuarbeiten, die spezifisch auf die Bedürfnisse der Patienten mit PAVK ausgerichtet sind. „Bisher laufen diese Patienten im normalen Rahmen der kardiologischen Reha. Dabei wissen wir, dass z. B. Übungen, wie Fahrradfahren für PAVK Patienten nicht zielführend sind, wenn eine Verengung des Beingefäßes im Unterschenkelbereich vorliegt“, sagt Westphal.

Patienten mit einer Verschlusskrankheit leiden an Verengungen der Arterien des Körpers, so dass die Organe und Muskeln wie z. B. in den Beinen, nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. Die Engstellen entstehen durch Ablagerungen und Verkalkungen in den Gefäßen. Das hat gravierende Folgen. Der Name „Schaufensterkrankheit“ rührt daher, dass die Patienten nach einer Wegstrecke eine Pause brauchen, weil die Schmerzen in der unterversorgten Muskelgruppe zu groß werden. Um sich nichts anmerken zu lassen, stehen daher viele Patienten vor Schaufenstern. „Patienten mit einer „Schaufensterkrankheit“ weisen eine sehr hohe Sterblichkeit auf.“, führt Westphal an. „Allerdings versterben sie selten an den direkten Folgen der Beindurchblutungsstörung. Wir wissen, dass die Arteriosklerose sich von den Gehirn- und Herzkranzgefäßen zu den peripheren Beingefäßen fortentwickelt. Deswegen können bei Patienten mit einer Schaufensterkrankheit durch die fehlende Belastungsfähigkeit Frühwarnzeichen eines drohenden Herzinfarktes nicht wahrgenommen werden. So dass ein akutes Herzkreislaufereignis häufig tödlich ausgeht.“

Westphal geht nun daran, spezielle Schulungsprogramme für ihre Patienten im Rahmen der Reha zu entwickeln. Laut eigener Auswertung der Rentenversicherungsdaten befinden sich nur etwa 0,1 Prozent angiologische Patienten in der Rehabilitationsnachsorge. Die Dunkelziffer liegt jedoch beträchtlich höher, weil die Patienten häufig wenig Verständnis für ihre Erkrankung und Gesundheit haben und somit selten das Angebot für eine Rehabilitationsmaßnahme erhalten bzw. von dem Angebot Gebrauch machen. Darüber hinaus besteht gesellschaftlich häufig eine Stigmatisierung, weil Rauchen oft Auslöser der Erkrankung ist. „Die Gefäße sind ja repariert!“, bekommt Westphal mit Ihrem Team häufig zu hören.

Ziel des Programms ist eine Evaluation der angiologischen Rehabilitation und der Nachhaltigekit der Schulung. Dafür wurden von Fachgesellschaften und Rententrägern mehr als 150.000 € zur Verfügung gestellt. „Ich rechne mit jährlich etwa 200 Patienten in unserem Hause. Wir setzen eigene angiologische Schwerpunkte und arbeiten mit den Gefäßexperten hier im Hause eng zusammen. Zukünftig bieten wir so vermehrt auch niedergelassenen Haus- und Fachärzten direkte Ansprache für Patienten mit PAVK.“

Um die Aktzeptanz für die Erkrankung zu erhöhen, planen die Fachgesellschaften eine bundesweite Infokampagne.

 

 

 

Die Segeberger Kliniken gingen 1990 aus dem Rehabilitationszentrum Bad Segeberg hervor und sind heute das größte private Klinikunternehmen mit Sitz in Schleswig-Holstein. Für jährlich über 20.000 Patienten bietet die Klinikengrupe ein medizinisch ganzheitliches Leistungsangebot bestehend aus Prävention, Akutmedizin und Rehabilitation. In Fachzentren, Kliniken und Medizinischen Versorgungszentren sind 1.900 Mitarbeiter beschäftigt. Die Klinik mit 1.050 Betten befindet sich in privater Trägerschaft und ist Eigentümer geführt.

 

 

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