Ein Herzinfarkt stellt das Leben der Betroffenen von einem Moment auf den anderen auf den Kopf. Nach der Akutbehandlung beginnt eine entscheidende Phase: die medizinische Nachsorge und kardiologische Rehabilitation. Sie trägt maßgeblich dazu bei, Rückfälle zu vermeiden, die körperliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und den Lebensstil dauerhaft herzgesund zu verändern.
„Viele Patientinnen und Patienten fühlen sich nach einem Herzinfarkt zunächst verunsichert. Die Angst vor erneuten Beschwerden ist groß. Genau hier setzt die kardiologische Rehabilitation an“, erklärt Herr Dr. med. Lars-Uwe Kühne, Chefarzt der Kardiovaskulären Rehabilitation am Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken. „Unser Ziel ist es, den Menschen Sicherheit zurückzugeben, medizinische Risiken zu senken und ihnen zu zeigen, wie sie aktiv und selbstbestimmt mit ihrer Herzerkrankung leben können.“
Herzinfarkt: Häufig, aber gut behandelbar
In Deutschland erleiden jährlich rund 180.000 Menschen einen Herzinfarkt. Dank moderner Akutmedizin überleben heute deutlich mehr Patientinnen und Patienten als noch vor wenigen Jahrzehnten. Studien zeigen jedoch: Ohne strukturierte Rehabilitation ist das Risiko für erneute Herzereignisse, Herzschwäche oder eine verminderte Lebensqualität deutlich erhöht.
„Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine konsequente kardiologische Rehabilitation die Sterblichkeit nach Herzinfarkt um bis zu 25 Prozent senken kann“, so Herr Dr. Kühne. „Zudem verbessert sie nachweislich Belastbarkeit, Blutdruck, Blutfettwerte und das psychische Wohlbefinden.“
Kardiologische Rehabilitation
Die kardiologische Rehabilitation der Segeberger Kliniken ist ein zentraler Bestandteil des Herz- und Gefäßzentrums und gehört zu den größten Einrichtungen ihrer Art in Norddeutschland. Sie richtet sich an Patienten nach Herzinfarkt, Bypass- oder Klappenoperationen, Kathetereingriffen sowie bei Herzschwäche oder Rhythmusstörungen.
Neben der medizinischen Betreuung umfasst das interdisziplinäre Programm Bewegungstherapie, Ernährungs- und Schulungsangebote sowie psychosoziale Unterstützung. Ziel ist es, die Belastbarkeit zu verbessern, Risikofaktoren zu verringern und Rückfällen vorzubeugen, damit die Betroffenen wieder aktiv am Leben teilnehmen können.
„Ein Herzinfarkt betrifft nicht nur das Herz, sondern den ganzen Menschen“, betont Dr. Kühne. „Viele entwickeln Ängste, depressive Verstimmungen oder ziehen sich aus dem Alltag zurück. Deshalb ist die psychosoziale Begleitung ein fester Bestandteil unserer Rehabilitation.“
Was Betroffene selbst tun können
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfehlen nach einem Herzinfarkt:
- regelmäßige körperliche Aktivität unter ärztlicher Anleitung
- konsequente Einnahme der verordneten Medikamente
- herzgesunde Ernährung
- Reduktion von Stress und Risikofaktoren wie Rauchen oder Bewegungsmangel
„Rehabilitation bedeutet Hilfe zur Selbsthilfe“, so Herr Dr. Kühne. „Wir vermitteln Wissen, trainieren den Körper und stärken das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit, damit Patientinnen und Patienten langfristig wieder aktiv am Leben teilnehmen können.“