Nackenschmerzen - Ursachen und Tipps zur Soforthilfe

Wenn Augen, Gleichgewicht und Bewegung aus dem Takt geraten

Ein steifer Nacken, ziehende Schmerzen bis in den Kopf, eingeschränkte Beweglichkeit: Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Alltag. Rund 70 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal im Jahr betroffen. 

Neben Stress und Bewegungsmangel spielen dabei oft Faktoren eine Rolle, die vielen nicht bewusst sind – nämlich die Art und Weise, wie unser Gehirn Sinneseindrücke verarbeitet.

„Die Muskelspannung im Nacken wird nicht nur lokal gesteuert, sondern zentral durch das Nervensystem reguliert – sie entsteht im Zusammenspiel aus den eingehenden Informationen der Augen, des Gleichgewichtssystems und der Körperwahrnehmung“, erklärt Frau Susann Conrad, Leiterin der Ergotherapie der Segeberger Kliniken an den Standorten Am Kurpark und am Klosterkamp.

Das Gehirn nutzt Informationen aus drei zentralen Systemen: dem visuellen System (Augen), dem vestibulären System (Gleichgewichtssinn im Innenohr) und dem propriozeptiven System (Eigen- und Körperwahrnehmung). Sind diese Systeme überlastet, unterfordert oder schlecht aufeinander abgestimmt, etwa durch lange Bildschirmzeiten und wenig Bewegung, kann es zu einer Fehlsteuerung der Muskelspannung kommen. Die Folge: Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich.

„Passive Maßnahmen sind als Einstieg zur Schmerzlinderung wertvoll, doch die Lösung liegt in der Aktivität. Erst die Kombination aus bewusster Haltung und kräftiger Muskulatur gibt dem Gehirn die nötige Sicherheit zurück, um schmerzhafte Schutzspannungen dauerhaft zu lösen“, so Herr Prof. Dr. med. Björn Hauptmann, Klinikdirektor und Chefarzt des Neurologischen Zentrums der Segeberger Kliniken.

  • Augen entlasten – Nacken entspannen
    Dauerhafte Naharbeit am Bildschirm beansprucht die Augen stark und kann unbewusst die Nackenmuskulatur anspannen. Regelmäßige Bildschirmpausen, bewusstes Blicken in die Ferne und einfache Augenübungen helfen, das visuelle System zu entlasten.
  • Bewegung für den Gleichgewichtssinn
    Wenig Bewegung bedeutet wenig Reize für den Gleichgewichtssinn. Schon kurze, abwechslungsreiche Bewegungseinheiten im Alltag – etwa Gehen, Tanzen oder Gleichgewichtsübungen – unterstützen die natürliche Regulation der Muskelspannung.
  • Körperwahrnehmung aktivieren
    Auch monotone Haltungen schwächen die Körperwahrnehmung. Abwechslung in den Bewegungen, Barfußlaufen oder gezielte taktile Reize können dem Gehirn wichtige Informationen liefern.

„Wer versteht, dass Nackenschmerzen oft im Zusammenspiel mehrerer Systeme entstehen, kann selbst viel zur Linderung beitragen“, so Frau Conrad. „Mit einfachen Übungen, mehr Bewegung und bewussten Pausen lassen sich Verspannungen häufig reduzieren oder sogar ganz vermeiden.“

Die Segeberger Kliniken empfehlen, bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden ärztlichen Rat einzuholen und frühzeitig therapeutische Angebote zu nutzen.

Das Neurologische Zentrum der Segeberger Kliniken ist akademisches Lehrkrankenhaus der Universitäten Lübeck, Kiel und Hamburg und zählt mit über 300 Betten zu den größten neurologischen Akut- und Rehaeinrichtungen Deutschlands. Behandelt werden unter anderem Schlaganfälle, Parkinson-Syndrome, Multiple Sklerose, Epilepsie, Hirnverletzungen, neuroonkologische Erkrankungen und entzündliche Erkrankungen des Nervensystems.

Das Neurologische Zentrum ist seit 2007 anerkanntes MS-Zentrum der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) und bietet spezialisierte Rehabilitation, moderne Diagnostik und interdisziplinäre Therapiekonzepte für Patienten mit Multipler Sklerose.