Neue zukunftsweisende Behandlungsmethode für verengte Herzkranzgefäße

Segeberger Kliniken setzen Stent ein, der das Gefäß wieder pulsieren lässt

Bei einer verengten Herzkranzarterie wird häufig ein Stent eingesetzt, um das Gefäß dauerhaft offen zu halten. Im Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken kommt nun ein neues fortschrittliches Verfahren zum Einsatz.

Der „DynamX Bioadaptor“ ist eine bedeutende Innovation in der Behandlung der koronaren Herzkrankheit. Das Implantat soll die Funktion des behandelten Gefäßabschnitts langfristig besser erhalten. Zunächst stabilisiert es die Gefäßwand wie ein herkömmlicher Stent. Nach etwa sechs Monaten werden vorgesehene Verbindungen des Metallgerüsts gelöst, sodass sich das Gefäß wieder bewegen und an unterschiedliche Blutflussanforderungen anpassen kann.

Erst stabilisieren - Später wieder mitbewegen

Eine gesunde Herzkranzarterie ist elastisch und kann ihren Durchmesser verändern. Bei körperlicher Belastung kann sie sich beispielsweise weiten, um den erhöhten Blutbedarf des Herzmuskels zu decken. Ein herkömmlicher Stent hält eine behandelte Engstelle zwar zuverlässig offen, bleibt jedoch dauerhaft als geschlossenes Metallgerüst im Gefäß.

Der Bioadaptor verfolgt einen anderen Ansatz. Auch er wird über einen Katheter an die verengte Stelle gebracht und hält das Gefäß zunächst offen. Auf seiner Oberfläche befindet sich ein Medikament, das verhindern soll, dass sich erneut Gewebe im behandelten Bereich bildet. Nach rund sechs Monaten löst sich eine dünne Beschichtung des Implantats auf. Dadurch können sich definierte Verbindungsstellen im Metallgerüst öffnen. Die einzelnen Metallstreben bleiben im Gefäß, sind danach aber nicht mehr zu einem starren Gerüst verbunden. Der behandelte Gefäßabschnitt kann dadurch wieder pulsieren und sich entsprechend dem Blutfluss bewegen.

„Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass das Implantat nicht dauerhaft als starres Gerüst wirkt“, erklärt Herr Prof. Dr. med. Holger Nef, Klinikdirektor und Chefarzt des Herz- und Gefäßzentrums der Segeberger Kliniken. „Das Gefäß wird zunächst stabilisiert, erhält nach der Heilungsphase aber einen Teil seiner natürlichen Beweglichkeit zurück, das ist eine bahnbrechende Neuerung.“

Behandlung über den Katheter

Die Implantation des Bioadaptors erfolgt grundsätzlich wie eine konventionelle Stentbehandlung. Das Implantat wird über einen dünnen Katheter bis zur verengten Stelle der Herzkranzarterie geführt und dort eingesetzt. Der Zugang erfolgt häufig über die Arterie am Handgelenk. Eine Vollnarkose ist in der Regel nicht erforderlich.

Nach dem Eingriff erhalten die Patientinnen und Patienten eine medikamentöse Behandlung, die sich grundsätzlich an den Empfehlungen nach einer Stentimplantation orientiert. Das innovative Verfahren wird derzeit im Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken im Rahmen einer Registerstudie bei ausgewählten Patientinnen und Patienten eingesetzt. Nicht jede Gefäßverengung ist für die Behandlung geeignet.

„Der Bioadaptor ist kein Ersatz für den klassischen Stent bei allen Patientinnen und Patienten“, betont Herr Prof. Nef. „Entscheidend sind unter anderem die Lage und Beschaffenheit der Gefäßverengung sowie die individuellen Voraussetzungen. Welche Behandlung im jeweiligen Fall sinnvoll ist, wird nach der Untersuchung der Herzkranzgefäße gemeinsam mit dem Patienten entschieden.“

Für das Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken gehört es dazu, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Behandlungsmöglichkeiten frühzeitig für die Patientenversorgung nutzbar zu machen. Als spezialisiertes Zentrum werden dort neue Verfahren nicht nur im Rahmen wissenschaftlicher Studien begleitet, sondern auch auf ihre Bedeutung für die konkrete Behandlung der Patientinnen und Patienten geprüft.

„Medizinischer Fortschritt ist für uns dann besonders wertvoll, wenn er in der Versorgung der Menschen ankommt“, so Herr Prof. Nef. „Durch die enge Verbindung von klinischer Erfahrung, wissenschaftlichen Erkenntnissen und neuen Behandlungsmethoden können wir innovative Verfahren frühzeitig in die Patientenversorgung übernehmen. Das ist für uns ein wichtiger Baustein moderner Herzmedizin.“

Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken

Das Herz- und Gefäßzentrum der Segeberger Kliniken ist eines der größten in Norddeutschland. Es gliedert sich in die Bereiche: Kardiologie und Angiologie mit der Sektion Gefäßchirurgie, der Klinik für Herzchirurgie, der Abteilung für Kardio-anästhesie sowie der kardiologischen Rehabilitation. Diagnostik und Therapie aller Erkrankungen des Herzens und der Gefäße sind möglich.

Die Expertise der spezialisierten Teams zeigt sich in mehr als 5.000 koronaren Herzkatheterbehandlungen, über 600 Herzschrittmacherimplantationen, 550 Herzklappenbehandlungen, etwa 500 herzchirurgischen Eingriffen und mehr als 1.100 Ablationen bei Herzrhythmusstörungen pro Jahr.